Das Who is Who im Gesundheitswesen

 

Arzt, Homöopath, Heilpraktiker, Heilpraktiker-Psychotherapie, Psychotherapeut, Psychologe, Lebensberater, Coach, Schamane, Heiler … eine verwirrende Vielzahl von Bezeichnungen! Wer ist wie ausgebildet? Wie findet man einen für sich passenden Therapeuten?

 

Ich möchte dies mit einer Übersicht klarstellen, damit Sie als Patient wissen, wie Ihr Therapeut mindestens ausgebildet ist. 

Es gibt zum einen Berufsbezeichnungen und auf der anderen Seite gibt es Therapieformen. Nicht jeder Angehörige eines Berufes darf eine Therapieform anwenden und nicht jeder Heilkundige darf jede Therapieform anwenden. Dass ein Buchhalter nicht operieren darf, ist jedem klar. Darf aber ein Heilpraktiker das? * (Antwort: *ja, unter ganz bestimmten Bedingungen)

 

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Homöopath und Heilpraktiker?

 

Die Berufsbezeichnung HEILPRAKTIKER/IN darf man tragen, wenn man die entsprechende Überprüfung vor dem Gesundheitsamt bestanden hat. Das erfordert eine gründliche Ausbildung. Während der Ausbildung zum Beruf der Heilpraktikerin erwirbt man umfangreiches schulmedizinisches Wissen, das man in einer Prüfung beim Gesundheitsamt vor dem Amtsarzt unter Beweis stellen muss. Das bezieht sich also auf Anatomie (Lehre vom Aufbau des Körpers), Physiologie (Lehre von den physikalischen und chemischen Abläufen im Körper), Pathologie (Lehre von den Krankheiten) bezogen auf alle Organe und Organsysteme einschließlich der Psyche. Damit zeigt man auch, dass man in der Lage ist, Krankheiten in ihrem Ausdruck und Verlauf zu erkennen und lebensbedrohliche Erkrankungen und Notfälle zu unterscheiden, um den Patienten bei Bedarf zu einem Facharzt oder ins Krankenhaus schicken zu können.

Die Ausbildung zum Beruf des Heilpraktikers selbst beinhaltet nicht die Lehre von Therapieformen, mit denen der Heilpraktiker nachher praktiziert. Natürlich macht es keinen Sinn, Heilpraktiker zu sein, ohne therapieren zu können. Also wird jeder, der praktizieren will, eine oder mehrere Therapieformen erlernen. Diese müssen also unabhängig von der Heilpraktikerausbildung gesondert erlernt werden, manche machen es vor der Heilpraktikerausbildung, oft wird es zeitlich parallel oder danach absolviert. Der Gesetzgeber verlangt, dass die praktizierte Therapierichtung verantwortungsbewusst und mit ausreichendem Fachwissen angewendet wird.

Beispiele für Therapieformen sind klassische Homöopathie, Craniosacrale Therapie, Dorn-Breuss-Wirbelsäulentherapie,  Psychotherapie, Pflanzenheilkunde, medizinische Massage, Familienaufstellungen, Ausleitung, Entgiftung, usw.

 

Sowohl die Heilpraktikerausbildung, die Prüfung vor dem Gesundheitsamt und die Ausbildungen in den Therapieformen muss man selbst bezahlen. Es gibt dafür keine staatlichen Schulen. Diese jahrelangen Ausbildungen sind sehr teuer.

Tabellarische Übersicht

Wer darf welche Berufsbezeichnung tragen? Wer ist wie ausgebildet? Wer darf was behandeln und auf welche Weise?

Berufsbezeichnung:

Heilpraktiker

 

Ausbildung

Therapieformen

Ausbildung zum Heilpraktiker

Dauer der Ausbildung ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber durchschnittlich dauert es etwa 3 -5 Jahre

Die Heilerlaubnis wird nach entsprechender Eignungsprüfung durch die zuständigen Gesundheitsämter durch den Amtsarzt erteilt.

 

  • darf naturheilkundlich in Rahmen der vom Heilpraktikergesetz eröffneten Möglichkeiten behandeln
  • die Therapieform und Diagnoseform wird selbst gewählt und muss gesondert erlernt werden.
  • es gibt sehr viele Therapieformen wie z. B.
    • Homöopathie
    • Akupunktur
    • Hypnose
    • Psychotherapeutische Verfahren
    • Pflanzenheilkunde
    • Cranio-Sacral-Therapie
    • Ernährungsberatung
    • Radionik
    • Spagyrik
    • Kinesiologie
    • Katathymes Bilderleben
    • Irisdiagnostik
    • Schamanismus zur Krankenheilung
    • Bachblüten
    • Energiearbeit
    • Reiki
    • usw.

 

Berufsbezeichnung:

Heilpraktiker eingeschränkt auf Psychotherapie

man findet auch:

Heilpraktiker (Psychotherapie) oder:  Heilpraktiker für Psychotherapie

(umgangssprachlich auch als "kleiner Heilpraktiker" bezeichnet)

Ausbildung

Therapieformen

Es wird der Teil der Heilpraktikerausbildung, abgelegt, der sich auf die Psyche und die psychischen Erkrankungen bezieht. Das vor dem Gesundheitsamt geprüfte Wissen in Hinblick auf die Psyche ist bei beiden Heilpraktikerformen gleich.

Die eingeschränkte Heilerlaubnis wird nach entsprechender Eignungsprüfung durch die zuständigen Gesundheitsämter durch den Amtsarzt erteilt.

  • darf naturheilkundlich in Rahmen der vom Heilpraktikergesetz eröffneten Möglichkeiten behandeln, Heilerlaubnis eingeschränkt auf psychotherapeutische Therapieformen.
  • die Therapieform und Diagnoseform wird selbst gewählt und muss gesondert erlernt werden.
  • Therapieformen z. B.
    • Psychotherapeutische Verfahren
    • Psychokinesiologie
    • Schamanismus zur Krankenheilung
    • Energiearbeit
    • Reiki
    • usw.

Berufsbezeichnungen:

LOGOPÄDE PHYSIOTHERAPEUT MUSIKTHERAPEUT, KUNSTTHERAPEUT, ERGOTHERAPEUT

 

Ausbildung

Leistungen, die angeboten werden dürfen, bzw. Therapieformen

Gesetzlich geschützte Bezeichnungen der Heilhilfsberufen, die nach bestandener staatlicher Prüfung ausgeübt werden dürfen.

Therapie wird meist vom Arzt verordnet

Therapieform entsprechend dem Berufsbild, Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie usw.

 

Berufsbezeichnung

Psychologischer Psychotherapeut (PP), Kurzform: Psychotherapeut

 

Ausbildung

Hochschulstudium der Psychologie (s.o.)

und anschließend

Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten nach dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG)

  • Behandlung von psychischen Erkrankungen und Störungen
  • Therapieformen:
    • Verhaltenstherapie
    • und tiefenpsychologisch-fundierte Therapie,
    • analytische Psychotherapie
    • usw.

Berufsbezeichnung:

Ärztlicher Psychotherapeut, Kurzform: Psychotherapeut

 

Ausbildung

Hochschulstudium der Humanmedizin

und anschließend

Psychotherapeuten-Ausbildung nach dem Psychotherapeutengesetz,

Die Psychotherapeuten-Ausbildung ist beim ärztlichen Psychotherapeuten und psychologischen Therapeuten in Art und Umfang sehr ähnlich aufgebaut.

Als Humanmediziner darf er auch nicht psychische Erkrankungen behandeln.

  • spezialisiert auf Behandlung von psychischen Erkrankungen
  • Therapieformen:
    • Verhaltenstherapie
    • und tiefenpsychologisch-fundierte Therapie,
    • analytische Psychotherapie (Ausbildung noch aufwändiger)
    • usw.
  • darf auch verschreibungspflichtige Medikamente verordnen

Berufsbezeichnung

Ärzte anderer Fachrichtungen z. B. Neurologe, Psychiater

 

Ausbildung

Hochschulstudium der Humanmedizin

und anschließend

entsprechende Facharztausbildung, für z. B. Nervenheilkunde, für Psychiatrie und Psychotherapie

Therapieformen

 

Ein Neurologe beschäftigt sich mit den Erkrankungen des Nervensystems, er betrachtet das gesundheitliche Problem vorwiegend von der körperlichen Seite aus.

 

Ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Psychiater) kann ärztlich und psychotherapeutisch behandeln.

Alle Ärzte dürfen verschreibungspflichtige Medikamente verordnen.

Berufsbezeichnung   

Diplom-Psychologe

 

Ausbildung

Leistungen, die angeboten werden dürfen

Leistungen, die nicht angeboten werden dürfen

Hochschulabsolvent, der das Fach Psychologie studiert hat. (Diplom oder Master)

Der Psychologe erwirbt ein umfangreiches Wissen über menschliches Denken und Fühlen, Lernen und Verhalten und auch darüber, wie man menschliches Verhalten beeinflussen kann.

berechtigt z. B. zu Beratungen, Erstellung von psychologischen Gutachten vor Gericht, bei der Polizei usw.

Typische Berufsfelder sind wissenschaftliche Analysen, Beratungen in Firmen zu Personalangelegenheiten usw.

berechtigt nicht zur Therapie kranker Menschen

auch nicht bei psychischen Erkrankungen

(Wenn jemand sagt „ich gehe zum Psychologen“, so meint er fast immer einen Psychotherapeuten.)